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 Betreff des Beitrags: Naturwissenschaften
BeitragVerfasst: Sa 26. Dez 2009, 01:54 
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Naturwissenschaften in der Renaissance


In den vorherigen Kapiteln wurde insbesondere den Sprach- und Geisteswissenschaften ein hoher Rang eingeräumt. Dies erklärt sich aus dem dominierenden Humanismus jener Zeit, welcher diese Wissenschaften in den Vordergrund stellte.

Hier indes sollen drei dominierende Naturwissenschaften des Rinascimento ihren eigenen Platz erhalten. Teilweise unterscheiden sie sich sehr stark von den heutigen. Wie im Übergang zwischen den Zeitaltern sieht man auch hier schon einiges, das auf unsere Zeit hindeutet, anderes, das einige befremden mag. Das macht sie aber umso interessanter und soll etwas die Eigenarten der Frühen Neuzeit verdeutlichen.

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"Eine Republik zählt mehr große Männer als eine Monarchie; in jener wird die Tapferkeit fast immer geehrt, in dieser fürchtet man sie sehr."

Niccolò Machiavelli


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 Betreff des Beitrags: Medizin
BeitragVerfasst: Sa 26. Dez 2009, 01:54 
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I. Medizin


Seit der Antike und darüber hinaus war die Viersäftelehre die bestimmende medizinische Lehre. Bis weit in die Aufklärung hinein hatte sie noch Verwendung und Anerkennung in der Medizin. Demnach mussten die vier Körpersäfte des Menschen (Blut, Schleim, Schwarze und Gelbe Galle) in Einklang gehalten werden. Jahreszeiten, schlechte Ernährung, Krankheiten und Launen beeinflussten das Verhältnis der Säfte, welches der Arzt kurieren musste, um die Gesundheit eines Menschen sicherzustellen.

In der Frühen Neuzeit gab es erste Ansätze, die Viersäftelehre aufzuweichen, wenn nicht sogar abzuschaffen. Der deutschschweizerische Arzt Paracelsus (1493-1541) – der als Philosoph, Literat, Alchemist und Astronom zudem dem typischen ideal eines universell gebildeten Renaissancemensch entsprach – war dafür das herausragendste Beispiel. Er kritisierte Hippokrates und Galen, die Begründer der antiken Medizin, was ihn in weiten Kreisen der Apotheker und Ärzte unbeliebt machte. Er stellte die eigenen Erfahrungen bei Krankheiten und Leiden über die alte Lehre. Erkenntnisse waren für ihn wichtiger als bloß althergebrachtes. Zudem sah er den Menschen als Mikrokosmos im Makrokosmos, weshalb er stets in Harmonie mit dem ganzen stehen müsse – somit hatten auch nicht-materielle Dinge (Seelenleben, Gott, etc.) Einfluss auf den körperlichen Zustand. Er unterschied auch Frauen und Männer in der Behandlung, denn die Geschlechter hätten unterschiedliche Bedürfnisse.

Paracelsus ist damit im Geiste ein Vorgänger des Flamen Andreas Vesalius (1514-1564), dem anderen großen Arzt der Renaissance. Auch er ließ der Empirie vor der Spekulation Vorrang, unter ihm erreichte diese aber einen Zenit, da er als Erster eine öffentliche Sektion durchführte. Das Aufschneiden von Leichen war – bis auf das von Verbrechern – verboten. Zwar hatte schon Leonardo da Vinci Leichen seziert, und darauf beruhend zahlreiche Skizzen angefertigt, Vesalius ging aber insofern weiter, dass er diesen Vorgang als unverzichtbar für das Verstehen des menschlichen Körpers hervorhob. Vesalius gilt damit als Begründer der modernen Anatomie, und sein großes Wissen, dass er in zahlreichen Schriften hinterließ, nützten seiner Heilkunst. So wurde er Leibarzt Kaiser Karls V., nachher von dessen Sohn Philipp II. von Spanien. An Philipps Sohn Don Carlos führte er eine erfolgreiche Operation am Kopf durch. In Europa war er somit der berühmteste und fähigste Arzt seiner Zeit.

Aufgrund der Heilkunde und Anatomie gehörten auch die Biologie und Botanik in der Renaissance zum Feld der Medizin.

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 Betreff des Beitrags: Astrologie
BeitragVerfasst: Sa 26. Dez 2009, 01:58 
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II. Astronomie (Astrologie)


Die Astronomie der damaligen Zeit beinhaltete auch Astrologie, und unterscheidet sich damit schwerwiegend von unserer modernen Vorstellung bezüglich dieser Wissenschaft. In der damaligen Zeit galt sie aber in jeglicher Form als anerkannt. Auch renommierte Astronomen fertigten für Auftraggeber Horoskope an, um ihr Honorar aufzubessern. Den Gestirnen wurde Auswirkung auf große Ereignisse und persönliche Erlebnisse zugestanden. Aus diesen und navigatorischen Gründen galt das vorausberechnen von Sternkonstellationen und Planetenbahnen als große Kunst.

Der Franke Regiomontanus (1436-1476) war der führende Astronom des 15. Jahrhunderts. Er leistete Vorarbeiten für die spätere Korrektur des Julianischen Kalenders, und fertigte eine Unmenge von Tabellen an, in welchen er die Stellung von Sonne und Mond an verschiedenen Tagen vorausberechnete. Die reichhaltige Anzahl dieser Vorausberechnungen kamen der Seefahrt und Navigation zugute, welche die Entdeckungsreise der Portugiesen und Spanier erleichterten. In diesem Zusammenhang entwickelte er den Jakobsstab weiter, eines der wichtigsten Hilfsmittel der Navigation.
Außerdem gilt er als der erste Europäer, der eine wissenschaftliche Beschreibung eines Kometen abfasste.

Der bedeutendste Astronom des Rinascimento war ohne Zweifel Nicolaus Copernicus (1473-1543). Er konnte schlüssig nachweisen, dass die Beobachtungen des Himmels auch auf ein heliozentrisches, also sonnenzentriertes Gestirnsystem hinweisen könnten, in dem die Erde zudem um sich selbst drehe. Kopernikus ging dann den entscheidenden Schritt weiter, indem er dieses System nicht nur für möglich hielt, sondern auch vertrat. Nikolaus von Kues und Regiomantus hatten dabei die Grundlagen für die weiter ausformulierten Theorien des Copernicus geliefert. Seit der Antike hatte das geozentrische Weltbild überwogen, in dem die Erde im Mittelpunkt stand, und war durch Aristoteles – dem großen Lehrvorbild der Scholastik – im Mittelalter weiterhin verblieben. Einzig Aristarch von Samos (ca. 300 v. Chr.) hatte schon vorher ein heliozentrisches Weltbild vertreten, hatte sich damit aber nicht durchsetzen können.
Das Kopernikanische System löste insofern einen Aufschrei in der Wissenschaft aus, da auch viele weitere Theorien, die auf der Geozentrie beruhten, nun in Frage gestellt wurden. Beispielsweise erklärte man sich die Gravitation dadurch, dass die Erde kugelrund sei, und im Kosmos alles anziehe – ein Problem, das bis zu Newtons Lehren nicht gelöst werden konnte, da es mit dem neuen Weltbild nicht vereinbar war (selbst Galileo sollte davor kapitulieren).

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 Betreff des Beitrags: Alchemie
BeitragVerfasst: Sa 26. Dez 2009, 02:01 
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III. Alchemie


Die Alchemie war im Rinascimento der Vorgänger der heutigen Chemie, Metallurgie und Pharmakologie. Hier handelte es sich bereits um eine Wissenschaft der Stoffe, allerdings waren die Alchemisten der Überzeugung, jeden beliebigen Stoff neu gestalten, bzw. mit einem anderen zusammengestalten zu können. Demnach glaubten die Alchemisten auch, eine sog. „prima materia“ schaffen zu können, also ein Element ohne Eigenschaften, das für jede Art verwendbar gewesen wäre. In diesem Zusammenhang sprach man auch von der Quintessenz (Fünftes Element, neben den vier bekannten). In diesem Streben entdeckten die Alchemisten die Grundlagen der modernen Chemie.
Eine Unterkategorie war die Spagyrik, ein Wort, dass Paracelsus synonym für die Alchemie verwendete. Sie galt der Gewinnung von Arzneimitteln.

Eine reichhaltige Anzahl von Instrumenten, die dem Trennen und Verschmelzen von Stoffen zugedacht waren, gehörten zum Repetoire des Alchemisten. Insbesondere Destillierapparaten kam eine große Bedeutung zu.

Das bedeutendste Buch der Alchemisten und Grundlage für ihre Arbeit war die Tabula Smaragdina des legendären Hermes Trismegistos.

Hört man das Wort „Alchemist“ denkt man unweigerlich an die Suche nach dem Stein der Weisen, eine Substanz, welche aus unedlen Metallen edle Metalle machen sollte – und damit vor allem Gold. Andere verstanden darunter eine Universalmedizin, welche Krankheiten heilte, verjüngte oder gar unsterblich machen sollte. Tatsächlich suchten viele Alchemisten nach diesem Stein der Weisen, allerdings galt er immer als höchstes, fast unerreichbares Ideal, dem man im Kleinen nachzueifern versuchte.

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