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 Betreff des Beitrags: Renaissancemusik
BeitragVerfasst: Fr 25. Dez 2009, 13:44 
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Renaissancemusik


Musik sollte man als Laie nicht lesen, sondern hören, um sie besser zu verstehen. Im Nachfolgenden sollen daher auch viele Musikbeispiele aufgeführt werden, um sich ein besseres Bild zu verschaffen, statt sich in langen Texten zu ergehen.


Allgemeine Merkmale

Italien war Vorreiter der musikalischen Entwicklung, und gab diese auch erst am Ende des 18. Jahrhunderts an Österreich ab. Aber auch der spanische Einfluss war aufgrund der iberischen Weltmacht unverkennbar.

Die philosophische Grundlage war wie immer der Humanismus, der Mensch trat auch hier mehr in den Vordergrund – und der Komponist erhielt auch eine viel größere Möglichkeit, sich selbst in seiner Musik zu verwirklichen und seine Ansichten zu äußern.

Die Instrumentierung ist zudem nicht festgelegt. Terzette, Quartette und Quintette konnten demnach aus sehr heterogenen Instrumentgruppen bestehen. Besonders beliebt war dabei auch der Einbau von Harfen, Psalterium oder Sackpfeife.


Instrumente

Prinzipiell steht die Renaissance für die Einführung vieler neuer Instrumente, von denen die Viola da Braccio (Bratsche, also die Viola, die man „am Arm“ spielt) und Viola da Gamba (Gambe, also die Viola, die man „am Fuß“ spielt) wohl die wichtigsten sind. Auch Block- und Querflöte, Posaune und Schalmei gehören zu den vielen neuen Instrumenten, die das Musikgeschehen bereicherten und bunter machten. Beliebtestes Instrument war die Laute.

Die Orgel gewann in der Renaissance die Bedeutung, welche sie bis heute für die Kirche hat. Mit der wachsenden Bedeutung der Kirchenmusik und Inszenierung von Messen steigt der Bedarf nach großen Orgelstücken, wobei die Spitzenstellung Rom und Venedig einnehmen. So wurden die Toccata und das Präludium in San Marco erfunden.

Ein weiteres beliebtes Tasteninstrument, das aus der Renaissance stammt, ist das Cembalo. Aus ihm entwickelte sich das Hammerklavier und spätere Pianoforte.


Stimmgesang

In der Renaissance kam der Bass zum Chor dazu, und vollendete den Vierklang von Sopran, Alt, Tenor und Bass, welcher bis heute gilt. In Florenz wurde zudem die Monodie entwickelt, ein einzelner Gesang in Gedichtform, der von einem oder mehreren Instrumenten bildete – der Vorläufer der späteren Arie.
Die wichtigste Form des (weltlichen) Gesangs war das Madrigal. Dies war eine sehr freie Gesangsform, bei welcher 4 bis 6 Stimmen Anteil hatten. Im Gegensatz zur sakralen Musik, die strengen Regeln folgte, konnte man das Madrigal frei gestalten und war oft Ausdruck volkstümlicher Themen. Madrigale konnten romantisch, traurig, komisch und sehr derb sein. Andererseits war es wegen der Mehrstimmigkeit kompliziert zu komponieren und hatte gleichzeitig ein großes Renommee. Mit musikalischen Effekten und dramatischer Untermalung war das Madrigal der Vorläufer der späteren Oper, die im Barock aufkam.

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"Eine Republik zählt mehr große Männer als eine Monarchie; in jener wird die Tapferkeit fast immer geehrt, in dieser fürchtet man sie sehr."

Niccolò Machiavelli


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 Betreff des Beitrags: Re: Renaissancemusik
BeitragVerfasst: Fr 25. Dez 2009, 13:48 
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Weltliche Musik


Tanzmusik

Canario: Ein Tanz, der im 3/8 oder 6/8 Takt gespielt wurde, sich durch zahlreiche Sprünge und sehr freie Form auszeichnet. Es konnte frei improvisiert werden – das galt für Musiker und Tänzer gleichermaßen. Das machte ihn besonders beliebt.

Zwei Musikbeispiele:

Eine kürzere Version
Eine längere Version (etwas langsamer)

Und hier getanzt.


Pavane: Die Pavane ist ein Grundtanz, oft mit der Gagliarda gepaart. Es handelt sich um einen einfachen Schreittanz im ½ oder ¾ Takt. Er galt als sehr würdevoll und daher beliebt beim Adel.

Ein venezianisches Beispiel vom Mailänder Komponisten Dalza


Gagliarda: Manchmal auch als Galliarde bezeichnet, stellt dieser Tanz einen der üblichen und einfachen Tänze der Renaissance dar, der oft zusammen mit der Pavane getanzt wurde. Es handelt sich dabei um einen Hüpftanz aus fünf Schritten, von denen vier gehüpft werden. Die Gagliarda konnte allein oder im Paar getanzt werden.

Ein neapolitanisches Beispiel, in zwei Interpretationen von Jordi Savall:

Einmal etwas gediegener
Einmal kurz und effektvoll

Und hier Pavane und Gagliarda zusammen.


Eine Darstellung der Tänze:
Pavane, Gagliarda, Volta und Italienischer Tanz, in dieser Reihenfolge


Zuletzt möchte ich noch einen Sondertyp vorstellen: die Folia (Tollheit), ein portugiesischer Tanz, der allerdings auch als eigene Musikform auftaucht. Eine bekannte Folia ist die von Rodrigo Martinez, eine Art Ballade, bei der es sich um die Geschichte des Gänsehirten Rodrigo Martinez handelt, der sein Geflügel für Kühe hält, und sie deswegen im Wasser verliert.
Das Motiv der Folia konnte weiter ausgeführt werden, hier ein größeres Beispiel: Klick

Man stellt fest, dass die eigentlich sehr einfachen Tanzmusiken bald zu größeren Arrangements und zu eigenen Musikarten wurden. Die eben vorgestellten Tänze, aber auch der Fandango, der Saltarello, die Passacaglia und die Ciaccona zählen dazu. Bis in die Klassische und Romantische Musik des 19. Jahrhunderts waren es beliebte Motive für Komponisten.

Verschiedene Hörbeispiele

Ciaccona (Piccinini). Dazu eine spätere, hörenswerte Adaption von Kapsberger. Zuletzt die sehr stimmungsvolle Ciaccona von Falconiero

Weiteres:

Capona von Kapsberger (Streicher historisch, Trommeln modern)
“Colascione“ (Frühstück) von Kapsberger
Passacaglia von Falconiero
Folia von Falconiero

Obwohl die Stücke zeitlich schon arg an der Schwelle zum Barock sind, ist die Musikart dem Renaissancespiel noch näher.




Lieder

Neben dem erwähnten Stück vom Gänsehirten gab es noch eine unglaubliche Bandbreite von Volksliedern, die sich insbesondere Speis und Trank zuwandten. Es gäbe Unmengen von Möglichkeiten, hier beispiele zu nennen. Stellvertretend soll hier Juan del Enzina mit „Hoy comamos y bevamos“ (Heute essen und trinken wir) dienen.




Das Madrigal

Vermutlich der schwierigste Punkt, um ihn zusammenzufassen. Daher werde ich hier ein Beispiel aufführen, insbesondere weil es mir immer gefällt, um die Vielfalt des Madrigals anschaulich zu illustrieren.

Adriano Banchieri: La barca di Venezia a Padova

Banchieris Stück ist eine Komödie, bestehend aus einer Sammlung von 20 Madrigalen und behandelt eine Fahrt einiger Reisender in einem Boot von Venedig nach Padua. Der Reiz des Ganzen besteht darin, dass jedes Madrigalstück einen anderen Protagonisten hat, der oft die Klischees seiner Heimat erfüllt, und entsprechenden Dialekt spricht, bzw. an Einsprengseln erkennbar bleibt. So gibt es einen Florentiner Kaufmann mit typischen Akzent, einen weinseligen Deutschen, einen trauernden Luccheser, und einen brescianischen Bankier, der an einer Gruppen Juden scheitert, weil er sie einfach nicht versteht.

Für einen Menschen, der des Italienischen nicht mächtig ist, wirkt die ganze Veranstaltung natürlich wie eine Tortur, weil er kein Wort versteht. Trotzdem lohnt ein Blick und ein Ohr, um die Vielstimmigkeit und die Aufführung des Madrigals zu kennen, und insbesondere den freien Renaissancegeist, der sich in Gestaltung und Gesang zeigt. Die Ernsthaftigkeit und Unfreiheit, die früheren Zeiten angelastet werden, zeigen sich insbesondere in der Szene des herzhaft rülpsenden Deutschen (am Ende des II. Teils) als Verklärung der später ach so modernen Zeiten.

Anmerkung: Da auf youtube immer wieder aufs Neue viele Videos der Löschung anheim fallen, kann es sein, dass die Links nicht auf immer funktionieren. Schaut mal auf Cesares Kanal nach, dort werde ich versuchen, immer eine kleine Auswahl von Renaissancestücken in der Playlist zu verlinken.

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 Betreff des Beitrags: Re: Renaissancemusik
BeitragVerfasst: Fr 25. Dez 2009, 13:54 
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Sakrale Musik


Natürlich hatte die sakrale Musik weitaus strengere Regeln als die des Volkes. Dennoch gab es auch hier entscheidende Wendungen, wie die Einführung der Mehrchörigkeit, welche wegen ihrer Herkunft auch Venezianische Mehrchörigkeit genannt wird. Die Orgel hatte an zunehmender Bedeutung gewonnen, die Stücke für dieses Instrument nahmen merklich zu. Messkompositionen werden opulent und zur Krönung der Komposition – ab dem Konzil von Trient besteht zudem großer Bedarf nach solchen. Dort wurde festgelegt, dass die Kirchenmusik als Ornament der Liturgie dienen sollte, unwürdige Melodien hingegen galten als verboten. Orden wie Franziskaner und Jesuiten, aber auch Bischöfe und der Papst höchstselbst gehörten zu den größten Förderern der Musikkultur Europas.

Während die Lutheraner der Musik im Gottesdienst ebenfalls offen gegenüberstanden, wurde diese zeitweise in der Reformierten Kirche verboten. Man fürchtete hier, dass die Musik den Inhalt und die Botschaft des Evangeliums verwässern könnte.


Giovanni Pierluigi da Palestrina (+1594 in Rom)

Spricht man von Renaissancemusik in der damaligen Kirche, muss der Name Palestrina fallen. Er gilt als einer der wichtigsten italienischen Komponisten und Erneuerer der Kirchenmusik.

Palestrina war ab 1551 Kapellmeister von San Pietro, später von San Giovanni (Laterano), und damit vermutlich der wichtigste Musiker der Päpste. Er besaß so ein hohes Ansehen, dass man ihn auf dem Konzil von Trient zu Rate zog, wenn es um Musikfragen ging. Er galt somit als der anerkannteste Meister seiner Zeit. Es waren seine Werke, welche die Bischöfe überzeugten, dass die Musik der Liturgie eher förderlich als hinderlich seien, und somit der allgemeinen Erbauung.

Sein Werk umfasst u. a. 104 Messen, 375 Motetten, 68 Offertorien und 140 Madrigale. Sie bestechen durch Harmonie, Ausgewogenheit und vermeiden größere Sprünge oder stark voneinander abweichende Notenwerte; bis heute wird diese Art als Palestrina-Stil benannt.

Sein Grab liegt im Petersdom, darüber die Widmung Musicae princeps (Fürst der Musik). Bis heute gehört sein Repertoire zu den beliebtesten Stücken der römischen Kirche und päpstlicher Messen. Die Nationalhymne des Vatikans leitet sich von Palestrinas „Tu es Petrus“ ab.

Einige Hörbeispiele:

Credo aus der Missa Papae Marcelli
Stabat Mater
Madrigal, Alla Riva del Tebro
Magnificat für 8 Stimmen
Tu es Petrus

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Niccolò Machiavelli


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BeitragVerfasst: Fr 25. Dez 2009, 13:56 
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Orlando di Lasso (1532 – 1594)

Rolandus Lassus (auch: Orlande oder Roland de Lassus) stammte aus Mons in den Spanischen Niederlanden, kam aber schon mit 13 Jahren nach Italien. Dort lernte er die Hochreinassance in allen ihren Zügen kennen und schätzen, war selbst überzeugter Humanist, war gebildet und den neuen Ideen aufgeschlossen. Durch enorme Schaffenskraft und hohe Anerkennung in ganz Europa galt er als Genie auf dem Felde der Musik, gleichsam wie Michelangelo und Leonardo in der Kunst. Er sprach fließend Deutsch, Italienisch, Latein und Französisch.

Nach seiner Rückkehr in die Spanische Niederlande arbeitete er als freischaffender Komponist, für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. Er ließ seine Werke in Venedig und Antwerpen verlegen, und erreichte alsbald einen hohen Bekanntheitsgrad in Europa – vom bayrischen Herzog Albrecht V. wurde er an den Hof berufen. Letztendlich wurde er vom Kaiser sogar ob seiner Leistungen in den Adelsstand erhoben. Dutzende Legenden sind aus dieser Zeit bekannt, wohl auch, weil der kluge Komponist seinen weniger gebildeten Herrn an Geist übertraf und sich so bei ihm ein hohes Gehalt sichern konnte. Eine Geschichte besagt, er hätte es sogar geschafft, mit seiner Musik das Wetter zu beeinflussen. Weltliche und Geistliche Klänge schrieb er gleichsam nieder, Fürsten und Könige ließen ihm Pensionen zukommen, ohne dass er bei ihnen angestellt war.

Das Ende der Renaissance war allerdings auch für diesen Renaissancemenschen spürbar. Die beginnenden Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken, das Verebben der der künstlerischen und privaten Freiheiten sorgten dafür, dass er im Alter melancholisch und depressiv wurde. Nach seinem Tod widmete man ihm den Titel Princeps musicorum (Fürst der Musiker).

Zusammen mit Palestrina gilt er als bedeutendster Musiker des 16. Jahrhunderts. Er hinterließ der Nachwelt 140 frz. Chansons und 90 deutsche Lieder, italienische Madrigale, 70 Messen, 102 Magnificat-Sätze, die „Lagrime di San Pietro“ und andere bedeutende Stücke. Insgesamt gehen über 2000 Kompositionen auf ihn zurück.

Hier ein paar Beispiele:

Matona, mia cara (Madrigal)
Zwei Motettenbeispiele
Saccio’na cosa (Villanelle/Bauernlied)
Madonna, mia pietà

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