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BeitragVerfasst: Mo 21. Dez 2009, 10:59 
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Herr der Hermeline
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Die Philosophie der Renaissance


Im Folgenden sollen ein paar philosophische Richtungen und Ideen des Rinascimento vorgestellt werden. Da der Humanismus an anderer Stelle bereits vorgestellt wurde, sollen hier Unterformen, gegenlaufende Modelle und zwei Idee der Staatstheorie genannt werden. Dies alles soll nur einer exemplarischen Übersicht dienen. Wer sich tatsächlich mit den Geistesströmungen beschäftigen will, sollte sich die Meister selbst zur Hand nehmen. Hier die vorbildhaftesten Beispiele:

Scholastik
Albertus Magnus
Thomas von Aquin
Johannes Duns Scotus

Humanismus
Giovanni Pico della Mirandola
Erasmus von Rotterdam

Neuplatonismus
Marsilio Ficino

Neuaristotelismus
Pietro Pomponazzi

Staatsphilosophie
Niccolò Machiavelli
Thomas Morus

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"Eine Republik zählt mehr große Männer als eine Monarchie; in jener wird die Tapferkeit fast immer geehrt, in dieser fürchtet man sie sehr."

Niccolò Machiavelli


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 Betreff des Beitrags: Scholastik
BeitragVerfasst: Mo 21. Dez 2009, 11:00 
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I. Scholastik


Die Scholastik war im Mittelalter die vorherrschende Geistesströmung, welche erst durch den Humanismus des Rinascimento herausgefordert und kritisiert wurde. Sie führte sich auf Aristoteles zurück, bzw. jene, die ihn im Mittelalter kommentiert hatten, wie Thomas von Aquin, Roger Bacon und Johannes Duns Scotus.

Die Scholastiker waren auch in der Renaissance und weit darüber hinaus noch tonangebend in Europa. Schulen und Universitäten waren von ihren Lehrplänen, von ihrer Arbeitsweise und Methode geprägt. Logik und Dialektik dominierten dabei die Lehr- und Erkenntnismethode. Die scholastische Methode galt als einzig wissenschaftlich anerkannte, und bestand aus der Lesung eines Textes, und der anschließenden Stellung einer Reihe fester Fragen, dem Streitgespräche und letztlich Klärung der Fragen folgte. Im Streit wurden Argumente und Gegenargumente von wichtigen Autoritäten angeführt (Kirchenlehrern, Bibel, Aristoteles), die sich im letzten Punkt allesamt in einem harmonischen Ganzen zusammenfinden sollten. Ziel war es, Widersprüche zwischen den Autoritäten aufzuheben oder zu vermeiden.

Von den Männern der Renaissance wurde diese Vorgehensweise wegen ihrer Enge und ihres Sklavischen Schemas („scholastizistisch“ als Beleidigung) gegeißelt.

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BeitragVerfasst: Mo 21. Dez 2009, 11:00 
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2. Humanismus


Der Humanismus, der sich mit seinem Willen zur Pflege und Lesung der wahren antiken, alten Schriften verpflichtete, und das mittelalterliche Latein ablehnte, trat in Konflikt mit der Scholastik. Man warf den Scholastikern vor, nicht den echten Aristoteles oder Platon zu kennen, weil die Lateinfähigkeiten der Scholastiker schlecht waren, und das alte Gedankengut verfälschten. Die vielen mittelalterlichen Begriffe störten das Verständnis der Humanisten, eine klare, reine, klassische lateinische Sprache zu lesen und zu fördern, so, wie sie die Alten selbst gesprochen hatten. Die überbordende Logik und die zerpflückten Texte, die der Ansicht der Humanisten nach dadurch im Sinn entstellt wurden, erregten ihre Abscheu. Ein weiterer wichtiger Punkt: Aus Sicht der Humanisten waren die Erkenntnisse der Scholastiker sinn- und nutzlos, denn ihnen waren Ethik, Sprach-, Moral- und Geschichtslehre wichtiger, da sie die Vollendung des Menschen suchten.

Aber selbst die Humanisten waren nicht in einer Bewegung geeint.


Platoniker

Diese Gruppe hing den Lehren des griechischen Philosophen Platons an, allerdings auch dem Neuplatonisten Plotin, der im 3. Jahrhundert lebte. Obwohl Platons Schriften zugänglich waren, stützte man sich eher auf die Lehren des Letzteren. Platons und Plotins philosophischen Ideen und Abhandlungen galten den humanistischen Platonisten als Fundament. Sie bildeten im Rinascimento die größte Gruppe.


Aristoteliker

Die Aristoteliker waren in bedeutend minderer Zahl vertreten, und hatten es doppelt schwer. Einerseits mussten sie sich gegen die Platoniker zur Wehr setzen, die als ihre schärfsten Gegner galten, da sie den Ideen des Aristoteles anhingen – andererseits waren sie keine Scholastiker, und sahen auf diese ebenfalls herab, wie es die Platoniker taten. Sie wollten den Aristoteles neu deuten, nicht mehr scholastisch, sondern humanistisch.


Auch wenn beide Gruppen oft einen fehdeähnlichen Konflikt ausfochten, bedeutete das nicht, dass es nur Feindschaft gab. Im Gegenteil, viele bemühten sich um eine Harmonie beider Philosophen, andere zusätzlich um eine Symbiose von Platonismus, Aristotelismus und Christentum. Auch die Gruppen waren keineswegs homogen, so gab es Platoniker, die der Kirche skeptisch gegenüberstanden, andere, welche die Lehren versöhnen wollten, die einen stützten sich eher auf Plotin, die anderen auf Aristoteles. Bei den Aristotelikern war dies nicht anders, hier stritt man über die Relevanz der großen Aristoteles-Kommentatoren wie Thomas von Aquin, aber auch über die Unsterblichkeitsfrage der Seele. Dabei spalteten sich die Aristoteliker in Averroisten und Alexandriner auf, von denen erstere glaubten, dass ein teil der Seele zur Weltseele zurückkehre, unsterblich sei – die Alexandriner hingegen bestritten dies, und waren stark auf die Naturphilosophie ausgerichtet.

Zusätzlich beschäftigten sich die Humanisten auch mit allen anderen römischen und griechischen Philosophen. Stoiker und Epikureer wurden ebenfalls rezitiert und fanden in verschiedener Form Eingang in die beiden Hauptgruppen.

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BeitragVerfasst: Mo 21. Dez 2009, 11:01 
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3. Niccolò Machiavelli


Viel wird über Machiavelli geschrieben. Viel über ihn gesagt. Noch mehr behauptet. Und insbesondere wird er missinterpretiert. Ihm wird unterstellt, die Erlangung von Macht über alles andere zu stellen, ebenso die Sicherung derselben. Dabei muss bedacht werden, dass ihn sein Werk „Il Principe“ (der Fürst) auf ewig in dieses Korsett zwängte, die Mächtigen ihn vor allem deswegen verfluchten, als Ketzer, Wahnsinnigen, Zweckrationalisten brandmarkten, weil er besser als kein anderer die Herrschenden beschrieb.

Hier soll es anders sein. Es wird keine Abfassung über Machiavelli geben. Stattdessen soll er selbst sprechen, nicht nur durch den Principe, sondern durch seine Discorsi, dem eigentlichen Hauptwerk Machiavellis.


Aus dem Principe

„Ist es besser, geliebt zu werden als gefürchtet, oder verhält es sich umgekehrt? Die Antwort lautet, dass beides erstrebenswert ist; da man jedoch beides nur schwerlich miteinander verbinden kann, ist es viel sicherer, dass ein Fürst gefürchtet wird, als dass er geliebt wird, wenn er schon nicht beides zugleich erreichen kann.“

„Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindruck des Augenblickes ab, dass einer, der sie täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen lässt.“

„Es darf daher ein Fürst keinen andern Gegenstand noch Gedanken haben, noch irgend zu seinem Handwerk was andres wählen, außer dem Krieg und die Ordnung und Disziplin desselben, weil dieses das einzige Handwerk ist, das dem Befehlenden geziemt, und sich so kräftig erweist, dass es nicht nur die geborenen Fürsten aufrecht erhält, sondern selbst öfters Privatpersonen zu dieser Stufe befördert hat.“

„Es gibt drei Arten der Intelligenz: die eine versteht alles von selber, die zweite vermag zu begreifen, was andere erkennen, und die dritte begreift weder von selber noch mit Hilfe anderer.“

„Ihr müsst euch nämlich darüber im Klaren sein, dass es zweierlei Arten der Auseinandersetzungen gibt: die mit Hilfe des Rechts und die mit Gewalt. Die erstere entspricht dem Menschen, die letztere den Tieren. Da die erste oft nicht zum Ziele führt, ist es nötig, zur zweiten zu greifen.“

„Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist.“

„Alexander VI. tat und sann nichts anderes als die Menschen zu hintergehen, und er fand auch immer Objekte, die sich hintergehen ließen. Es gab noch nie einen Menschen, der seine Beteuerungen wirkungsvoller vorgebracht, seine Versprechungen feierlicher beschworen und weniger gehalten hätte. Trotzdem gelangen ihm seine Betrügereien stets nach Wunsch; so gut kannte er die schwache Seite der Menschen.“

„Ein Fürst, der nicht weise ist, kann auch niemals weise beraten werden.“


Aus den Discorsi

„Vergleicht man einen Alleinherrscher, der an Gesetze gebunden ist, und ein Volk, das durch diese im Zaum gehalten wird, so wird man beim Volk bessere Eigenschaften finden als beim Alleinherrscher. Vergleicht man beide in gesetzlosem Zustand, so wird man beim Volk weniger, kleinerer und leichter zu bessernde Fehler finden als bei einem Alleinherrscher.“

„Alles was in der Welt geschieht, hat seine Entsprechung in Dingen, die in der Vergangenheit geschehen sind.“

„Die Armut der Bürger trägt bessere Früchte als ihr Reichtum. Jene hat Städte, Länder, Religionen zu Ehren gebracht; dieser hat sie verderben lassen.“

„Eine Republik hat längere Dauer und genießt das ganze Glück länger als ein Fürstentum. Das kommt daher, dass sie, die auf die Vielzahl der Bürger gegründet ist, sich besser dem Vielerlei der Zeitläufe anzupassen vermag, als ein Fürst. Denn ein Mann, der gewohnt ist, auf eine und dieselbe Art zu handeln, ändert sich niemals. So muss er naturnotwendig scheitern, wenn die Zeit in ihrem Wechselspiel seine Art zu handeln nicht mehr aufzunehmen vermag.“

„Nicht das Wohl der einzelnen, sondern das öffentliche Wohl macht Staaten groß.“

„In einem recht geführten Staat kann man Verstöße nicht mit Verdiensten aufrechnen.“

„Wer in einem Land, in dem es viele Edelleute gibt, einen Staat der gesetzlich geordneten Freiheit errichten will, kann sein Ziel nur dann erreichen, wenn er vorher den ganzen Adel ausrottet.“

„Schwache Staaten nehmen nie eindeutig Stellung.“

„Einen Krieg kann man nach seinem Belieben anfangen, aber nicht nach Wunsch beendigen.“

„Wenn einer anfängt in die Lage zu kommen, nichts mehr fürchten zu müssen, beginnt es für andere furchtbar zu werden.“

„Bisher haben sich die Menschen leider nicht die Mühe gemacht, die Technik des richtigen Handelns in der Politik zu erlernen, sondern eher nach Gefühl, Instinkt, Gewohnheit und Laune gehandelt, die Alten zwar bewundert, aber ihre Taten nicht systematisch ausgewertet.“

„Untersucht man sorgfältig die Vergangenheit, so ist es ein Leichtes, die zukünftigen Ereignisse vorherzusehen und dieselben Hilfsmittel anzuwenden, welche von den Alten angewendet worden sind, oder neue Mittel, entsprechend der Ähnlichkeit der Vorfälle, zu ersinnen. Da aber solche Betrachtungen vernachlässigt, oder nicht verstanden werden oder, wenn verstanden, den Regierenden unbekannt sind, so ist die Folge davon, dass jederzeit dieselben Unordnungen stattfinden.“

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