Geschichte

Palio und Weinfest gehören unmittelbar zusammen. Pferderennen und Feste zur Lese sind in Palatina bereits in antiker Zeit nachweisbar. Es wurde zwar bis heute kein Circus im Stadtgebiet nachgewiesen, dennoch scheint es unbefestigte Pferdebahnen gegeben zu haben. An den Butteri der Goldenen Ebene, deren Ursprünge sogar in griechische Zeit zurückgehen, kann man erkennen, dass der wilde, harte, undisziplinierte Reitkampf sich womöglich dort entwickelt hat.

Vermutlich geht das Weinfest auf eine uralte Tradition zurück, die Lese zu feiern, wahrscheinlich assoziiert mit einem Kult des Bacchus, der dann zu einem Heiligenfest umgewandelt wurde. Es wird aber auch vermutet, dass dieses mit der Rückkehr der Kreuzritter von Damiette im 13. Jahrhundert zusammenhängen könnte. Tatsächlich ist das erste urkundlich festgehaltene Weinfest in dieser Zeit zu finden. Der Legende nach sollen die Kreuzfahrer nach ihrer erfolglosen Rückkehr aus dem Heiligen Land dieses Fest veranstaltet haben, um von ihrer Niederlage abzulenken und die Leute dermaßen abzufüllen, dass sie an einen Sieg des Heeres glaubten. Seit dieser Zeit fällt das Weinfest kontinuierlich auf einen Sonntag im Oktober.

Der Palio als Pferderennen durch die Stadt geht wohl auf die Kommunenzeit zurück, hatte aber womöglich einen anderen Termin als das Weinfest. Einige Gelehrte der Universität gehen davon aus, dass man damit die Streitigkeiten der Stadtteile untereinander katalysieren wollte. Allerdings sind aus dieser Zeit weder Fahnen, noch Tücher, noch Siegpreise erhalten.

Zu seiner institutionalisierten Form und Zusammenfassung mit dem Weinfest fand dieser Festtag unter der Herrschaft der Markgrafen — später: Herzöge — von Malpazzi, welche die erste Republik gestürzt hatten und als Signori über die Stadt herrschten. Der erste Signore, Ezzo Malpazzi, legte die Feiern an einem Festtag zusammen, indem zuerst ein Pferderennen abgehalten, und anschließend mit dem Weinausschank begonnen werden sollte. Unglückliche Vorkommnisse in der Vergangenheit, bei welcher man diese Reihenfolge verdreht hatte, führten zu diesem Schritt.

Seit dem Jahr 1351 wird der Palio quer durch die Stadt ausgetragen, mit den typischen Symbolen der Stadtteile und Reiter, Tribünen, Streckenkontrollen, Pferdesegnung, Paraden und anschließendem Gelage auf dem Marktplatz. Ezzo I. unternahm diesen Schritt wohl vor allem, um sich der Gunst der Bevölkerung und der Eliten der Stadtteile zu sichern, da er nur wenige Jahre zuvor die alte Verfassung gestürzt und die Macht an sich gerissen hatte.

Zuerst traten nur die drei Stadtteile San Pietro, die Città Nuova und die Città Antica an. Ende des 14. Jahrhunderts kam San Paolo dazu. Nach dem Sturz der Malpazzi, der Zerstörung der Festung, dem Wiederaufbau derselben, und der Unterstellung unter Republikgewalt wurde San Vittorio in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ebenfalls das Recht zugestanden, einen Reiter zu entsenden. Diese fünf Teile Palatinas stellen jedes Jahr einen Teilnehmer.

Zusätzlich dürfen seit dem 16. Jahrhundert auch die Republikstädte, die Hauptstädte der anderen Regionen der Republik, einen Fantino nach Palatina entsenden. Dies sind Porto Vecchio, Borghetto, Castiglione sul Mandro und Corvonido. Allerdings ist diese Teilnahme nur optional. Manchmal entsenden die anderen Staädte keinen Reiter, was dazu führt, dass die Zahl der Fantini von Rennen zu Rennen schwankt.

Im Jahr 1561 feiert der Palio sein 200. Bestehen, weshalb dieses Jahr die Vorbereitungen und Feierlichkeiten besonders üppig ausfallen.